Samstag, 6. März 2010

Depression selektive Vorteile?

Ich lese sehr viel und beschäftige mich eigentlich 24/7 mit dem Thema Depression und ihrer Heilung, mit gesellschaftlichen Problemen, dem Menschen, der Interaktion zwischen Menschen, etc...
Gestern bin ich zufällig auf einen interessanten Artikel auf www.sueddeutsche.de getroffen.
Der Artikel handelt davon, dass die Zahl der Depressiven weiter ansteigen wird. Schuld daran sei vor allem die Wirtschaftskrise und der zunehmende soziale Stress. Die Zahl der klinisch behandelten Patienten nahm zwischen 2004 und 2008 in Deutschland durchschnittlich um 23 % zu, was eine ganze Menge ist. Dabei besteht natürlich immer wieder die Frage, wie viele Menschen leiden wirklich mehr an Depressionen und bei wie vielen konnte im Gegensatz zu früher nun die Krankheit endlich diagnostiziert werden. Sind also nun mehr Menschen krank oder wird die Krankheit einfach in der Öffentlichkeit zunehmend akzeptiert, weshalb sich mehr Menschen in Behandlung geben?
Ich selbst war bis jetzt der festen Überzeugung, dass es wohl ein Mix aus beidem ist. Es schien doch erschreckend, dass Depressionen fast ausschließlich ein Thema in den Ländern ist, welche zu den größten Industrienationen gehören.

In einem weiteren Artikel wurde erwähnt, dass ca. 20% der Depressiven therapieresistent sind und erklären dies mit evolutionären Gründen, was ich äußerst interessant finde. Depressionen fanden zu allen Zeiten und in allen möglichen Kulturen statt, wie zB bei den Ache-Indianern in Paraguay. Daraus schließen Wissenschaftler, dass Depressionen und das damit verbundene extreme Grübeln auch Selektionsvorteile haben kann, vor allem wenn es um die Lösung komplexer sozialer Phänomene und Probleme geht.

Auch wenn diese Aussagen einem depressiven Menschen kaum weiter helfen können, es kann kurz Sinngebend sein. Es wird oft beschrieben und für mich hat sich dieses auch oft als Wahr heraus gestellt, egal ob bei mir selbst oder bei anderen Betroffenen mit der Krankheit. Depressive sind sehr empathisch, machen sich viele Gedanken über den Sinn des Lebens, die Gesellschaft, Menschen und soziale Zusammenhänge in unserer Gesellschaft. Depressive sind oft Idealisten und welche Menschen haben oft extreme Veränderungen in Gesellschaften erkämpft? Idealisten! Um sich wirklich in das Leid eines anderen Menschen hinein zu versetzen, bedarf es Mitgefühl und Empathie. Solche Menschen müssen Dinge, welche in einer Gesellschaft falsch laufen erst mal erkennen und darüber nachdenken, sich stetig damit auseinander setzen. Es sind nur weniger gewesen, die aus dieser Lage heraus einen Kampf begonnen haben, aber diese wenigen Menschen, haben für viele ein Ziel erreicht und für alle mehr Menschlichkeit auf diesem Planeten entfacht.
Vielleicht sollten mehr Depressive in die Politik gehen....;)

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